Die Prachtstraße der Bad Honnefer Innenstadt. Flaniermeile mit Charme auf dem Weg von der Fußgängerzone zum ehemaligen Kurviertel. Richten Sie einmal den Blick nach oben und entdecken Sie die wunderbaren Fassaden der Gründerzeitvillen. Von hier aus sind es nur wenige Schritte zu den weitläufigen Grünanlagen und der Blick geht in Richtung Rhöndorf im Norden am Fuße des Drachenfels.

Faltplan „Villen und Gründerzeitbauten Bad Honnef. Stadtplan mit Bildern und Beschreibungen. Erhältlich in der Stadtinformation (1,50 EUR Schutzgebühr)

„Bad Honnef, das „Nizza am Rhein“? Sollte Alexander von Humboldt tatsächlich Honnef mit so einem schmeichelhaften Etikett versehen haben, so liegt das an seiner Lage auf der Sonnenseite des Rheins, seinem milden Klima und dem Umstand, dass die Ortschaft sich schon zur Zeit der Rheinromantik großer Beliebtheit erfreute. Karl Simrock hatte seit 1840 ein Haus am Menzenberg, Treffpunkt seiner Freunde und Dichterkollegen.

Eine dichtere Besiedlung gab es nur um die katholische Kirche Sankt Johann Baptist, entlang der Rommersdorfer Straße, in Rhöndorf, nur die Honschaft Mühlheim, eine kleine Schiffersiedlung, reichte bis zum Rhein. An den Hängen bis zum Waldrand wurde überwiegend Wein angebaut. Die ersten Villen, umgeben von kleinen Parks, entstanden nach der Säkularisierung und der Eingliederung in das Königreich Preußen infolge der Neuordnung Europas 1815. Die ehemals geistlichen Güter wurden verkauft und boten wohlhabenden Familien aus dem nahe gelegenen Köln und aus dem Bergischen Land Gelegenheit, sich in Honnef Landhäuser zu bauen. Um 1860 war Honnef schon ein beliebter Luftkurort, was die Honnefer Bürgerschaft dazu veranlasste, in einer Petition an den Provinziallandtag um die Wiedererlangung der kommunalen Selbständigkeit zu bitten, die sie 1808 eingebüßt hatte. Seit 1862 ist Honnef wieder Stadt mit eigener Verwaltung und einem Bürgermeister. 1863 hatte sie aber erst 3568 Einwohner. Der wirtschaftliche Aufschwung Ende des 19. Jahrhunderts wurde gefördert durch den Ausbau der Landstraßen nach Linz und in den Westerwald und den Anschluss an das Schienennetz 1871. Die Personenschifffahrt spielte für den Kurort erst eine Rolle, nachdem die Köln-Düsseldorfer 1908 an der Insel Grafenwerth eine Landungsbrücke errichtete und 1912 die Insel durch eine Brücke mit der Ortschaft verbunden wurde.

Den eigentlichen wirtschaftlichen Aufschwung brachten allerdings erst der Bau der Lungenheilstätte Hohenhonnef 1891 und die Erforschung und Ausbeutung der Mineralquelle durch den Weingutbesitzer Carl Weckbecker auf seinem Grundstück in der Austraße 1896/97.

1898 wurde der Bade- und Kurbetrieb eröffnet, 1906 das Kurhaus mit seiner bemerkenswerten Innenausstattung im Jugendstil gebaut.

Die königlichen Kurgäste, Königin Sophie von Schweden, Emma und Wilhelmina der Niederlande, die sich zwischen 1902 und 1906 hier zusammen mit ihrem Hofstaat­ regelmäßig erholten, verliehen Honnef zusätzlichen Glanz und ver­halfen den Gewerbe­trei­ben­den zu beträchtlichen Einnahmen. Zahl­reiche Honnefer Geschäfte konnten sich nun „Hoflieferanten“ nennen.

Der eigentliche „Bauboom“ setzte auch in Honnef erst nach Überwindung der Gründerkrise ein. Seinen Höhepunkt erreichte er zwischen 1898 und 1905. So kam Kapital nach Honnef und löste einen zweiten Bauboom aus, der Honnef erst zu einer geschlossenen Bebauung verhalf. Nach 1914 kam die Bautätigkeit fast vollkommen zum Erliegen.

Neue Straßen wurden angelegt, die durchgehend mit Einzel-, überwiegend aber Doppelhäusern bebaut wurden: so die Bernhard-Klein-Straße, die Königin-Sophie-Straße, die Luisenstraße. Auffallend ist, dass die meisten dieser Häuser von Bauunternehmern als Spekulationsobjekte zum sofortigen Weiterverkauf gebaut wurden oder einige Bauherren mehrere Häuser als Investitionsobjekte in Auftrag gaben.

Die Mehrzahl der Architekten (Joh. Gelsdorf, Joh. Vreden, Himmel u. Abels, G. Zeiger u.a.) bevorzugten historistische Hausfronten, Ottomar Stein gestaltete Fassaden im Jugendstil, so „Haus Gutenberg“ (Buchhandlung Werber), Hauptsr. 43, Bahnhofstr. 2a, Bernhard-Klein-Str.“

Textauszug aus dem Faltplan „Villen und Gründerzeitbauten“ von Verena von Dellingshausen, erhältlich in der Stadtinformation Bad Honnef, Rathausplatz 2–4